Romantische Komödie nach Edmond Rostand
Cyrano de Bergerac, der häßliche Held, Haudegen und Dichter mit der riesigen Nase, und der einflußreiche Graf Guiche lieben beide die schöne Roxane. Diese wiederum heiratet heimlich den jungen Christian. Um diese Vierecksgeschichte ranken sich Liebe, Lüge, Leidenschaft und vor allem Freundschaft.
| KLASSIKER- UND SOMMERTHEATER 1997/8 |
Inszenierung Doris Harder
Ausstattung Antonia Linner
Musik Manfred Wambacher
Spiel Claudia Brunner, Rainer Plattner, Thomas Schächl, Mathias Schuh, Hildegard Starlinger, Markus Steinwender
Premiere 19. Juli 1996 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen 20x im Juli/August/September/Oktober/Dezember 1996 in Österreich und Deutschland
Produktionsleitung Sabine Reiter-Haydl
Grafik Christian Steinwender
Produktion die theaterachse
Mit Unterstützung von Henkell Sektkellerei, Salzburger Arbeiterkammer, Land Salzburg Kultur, Stadt Salzburg Magistrat, Salzburger Sparkasse
| PRESSEMEINUNG |
“Theater dieser beeindruckenden und unaufwendigen Art, mit einer so sympathischen und überzeugenden Truppe darf man sich zu Sommerzeiten weiter wünschen. Eine Spitzenleistung an Schauspielkunst.“
Bote vom Unter-Main, 23.Juli 1996
| PLAKAT |
Das Plakat zum Stück.
| STÜCK |
“Denn beim letzten Verse stech ich!”
Er war bei den Kadetten im Dienst, für seine Fechtkunst gefürchtet, für seine Dichtkunst geschätzt und seiner langen Nase wegen verspottet. Dieser Umstand kostete manchem Spötter im Duell das Leben und alle Umstände gemeinsam bieten die Basis eines unsterblichen Theaterstoffes.
Der fechtende Poet liebt seine Nichte Roxane, jedoch wagt er nicht ihr seine Liebe zu gestehen. Roxane wiederum verliebt sich in einen schönen Jüngling, Christian de Neuvillette. Dieser hat sich in der selben Kompanie eingeschrieben wie Cyrano. Die Gascognier Kadetten sind für ihre Rauflust berüchtigt und Roxane bittet Cyrano Christian zu beschützen.
Um seinen Mut zu beweisen, spottet Christian über die Nase Cyranos. In der darauf folgenden Auseinandersetzung erzählt Cyrano, daß er der Vetter Roxanes ist, und daß sie ihm die Liebe zu Christian gestand. Nun bekennt auch Christian die Liebe zu Roxane, die als Eingeständnis einen Liebesbrief erwartet. Doch Christian ist ein schlechter Poet, worauf Cyrano ihm seine Hilfe anbietet.
Christian gewinnt mit den Briefen Cyranos die ganze Liebe von Roxane und Cyrano hat zumindest den Genuß, ihr in seinen Briefen nahe zu sein.
Soweit - so schön, wäre da nicht Graf Guiche, ein eitler Geck, Oberst der Kadetten und ebenfalls verliebt in Roxane. Er macht ihr unaufhörlich den Hof und als durch einen Schachzug Roxanes Christian und sie hinter seinem Rücken heiraten, schickt er die Kompanie seiner beiden Widersacher kurzerhand an die Kriegsfront.
Obgleich durch die Spanischen Belagerer ausgehungert und eingekesselt, schmuggelt Cyrano, ohne dem Wissen Christians, täglich zwei Briefe an Roxane durch die feindlichen Linien. Kurz vor einem vernichtenden Angriff der Spanier kommt Roxane ins Lager zu Ihrem Geliebten. Christian erfährt, daß sie nur wegen der Briefen kam und nunmehr, “nicht seine Schönheit sondern seine Seele” liebt, worauf er Cyrano bekniet ihr alles zu gestehen. Bevor es dazu kommt bricht der spanische Angriff los und Christian stirbt durch den ersten Schuß. Cyrano behält sein Geheimnis, Roxane und Graf Guiche fliehen von der Front. Cyrano wird schwer verwundet, doch sein Tod soll erst vierzehn Jahre später eintreten. Er wird in einen Hinterhalt gelockt und von einem herabstürzenden Dachbalken tödlich verwundet. Er schleppt sich jedoch noch zu Roxane, um sein Geheimnis zu lüften und um in ihren Armen zu sterben.
Rostand schrieb ein unvergleichliches Stück über Liebe und Freundschaft, Eifersucht, Leidenschaft und Tod.
| PRESSEKRITIK |
Spiel unter freiem Himmel: unkonventionell, voller »Herzszenen«, Esprit und Tragik
Die Mildenburg war Schauplatz für »Cyrano de Bergerac« und die theaterachse Salzburg
MILTENBERG. Was zunächst als zaghafter Versuch unternommen wurde, hat sich als Glücksgriff erwiesen: Der Burghof der Mildenburg mit seinem »Parkgelände« und seinen verschiedenen Ebenen. Gebäudeteilen, Treppen und Wegen ließ die Salzburger Projektgruppe »Theater Achse« ins Schwärmen geraten ob der Einzigartigkeit dieser »Freilichtbühne« und der Resonanz beim Publikum. Ihr Anliegen ist nämlich, nicht von einem festen Bühnenplatz aus zu agieren, sondern den gesamten Burghof zu bespielen und das Publikum auf eine »Reise durch das Theaterstück« einzuladen.
So wurden am Wochenende, angeführt von dem Musikanten unter den Klängen seines Sopransaxophons beziehungsweise der Kriegstrommel, die Zuschauer zu den Schauplätzen einzelner Akte 2eleitet, um das Szenarium hautnah in seiner entsprechenden Umgebung erleben zu dürfen. An dem kühlen, aber doch herrlichen Sommerabend war dies gleichzeitig eine willkommene Bewegungsphase für das zunächst neugierige und dann begeisterte Publikum. Dieses war herbeigeströmt, denn die Aufführungen der beiden vorangegangenen Jahre waren an sich schon Reklame, und so war die Premierenvorstellung am Freitag restlos ausverkauft — zur Freude der Theatertruppe und deren Mitinitiatorin Hilde Glapa aus Miltenberg.
Wie man die umfangreiche Verskomödie und Frankreichs meistgespieltes Theaterstück über das Leben, Kämpfen und Dichten des Gascogner Haudegens, Phantasten und Schöngeistes Cyrano de Bergerac (1619—1655) in den Griff bekommt und für eine kleine Theatertruppe aufbereiten kann, zeigte die Regisseurin Doris Harder in ganz ausgezeichneter Weise. Sie erläutert dies auch im Gespräch in ihrer bescheidenen, charmanten Art: Wichtig für das Verständnis des Dramas sind die »Herzszenen« um Freundschaft, Liebe, Verständigung und die Macht der Worte, nicht die Massenszenen um Raufereien, Krieg und Soldatenleben.
Sie läßt die Sprache des Dichters Edmond Rostand (1868—1918) unverändert, sie schätzt seine Art der Leichtigkeit, mit Texten umzugehen. Sie läßt ihre Schauspieler den Witz und Geist der’ Sprache Cyranos und Rostands sprühen, ihre blumenreichen Worte wie Bilder malen, in geistreichen Wortgefechten und romantischen Dialogen schwelgen. Der mitreißende Schwung und die tragisch-traurige Wehmut des Stückes waren sehr kontrastreich herausgestellt, ebenso der freundschaftliche Widerpart des schöngeistigen, aber häßlichen Helden zum dummen, aber schönen Erhörten. Musik- und Liedeinlagen, wechselnde Schauplätze, die bunten typisierenden Kostüme und natürlich auch von treffenden Worten begleitete Fechtszenen —alles im Sinne des Dichters — ließen die tragische Verskomödie in dieser erfrischenden, unterhaltsamen, aber auch zum Nachdenken anregenden Inszenierung in dem unvergleichlichen Rahmen des Hofs der Mildenburg zu einem eindrücklichen Erlebnis für die Zuschauer werden.
Aus dem, trotz der Wanderungen bei Szenenwechseln, kompakt angelegten Stück seien einige Schlüsselszenen besonders gewürdigt: Cyrano, der Held, mit der riesigen Nase verunstaltet, liebt seine Base Roxane heimlich. Beim Rendezvous gesteht sie ihm, daß sie den schönen Christian verehrt, und bittet ihn, sich dessen anzunehmen. Die Begegnung der beiden scheint sich mit dem Degen zu entscheiden, doch Cyrano will ihn Roxane zuführen und erklärt sich bereit dem dummen Schönling die schönsten Liebesbriefe zu entwerfen und dadurch auch seine Liebe indirekt zu offenbaren: »Zu zweit sind wir ein ganzer Liebesheld!« So gelangt auch Roxane ans Ziel ihrer Wünsche, zumal Cyrano beim Balkonständchen die Souffleurrolle übernimmt und Christian direkt in der Liebsten Arme treibt — Spitzenleistung an Schauspielkunst.
Komödiantischer Höhepunkt war Cyranos »Fall vom Mond«, als er den Grafen Guiche abhält, die Trauung des Liebespaares zu verhindern. Einzigartig wirkte die »Belagerung von Arras« im romantischen »Wäldchen« vor der mächtigen Bergfriedkulisse. Beachtlich schließlich der unheimlich starke Abgang des durch ein Attentat der von ihm bissig kritisierten Gesellschaft todwunden Helden. Wortgewaltig, geistreich und liebevoll zugleich läßt er Roxane die Augen öffnen, wer in Wirklichkeit ihr Verehrer war. Sie spürt und erkennt die wahre Liebe — doch zu spät: In einem phantastischen Scheingefecht mit Degen und spitzer Zunge weicht seine Kraft dem Tod.
Theater dieser beeindruckenden und unaufwendigen Art, mit einer so sympathischen und überzeugenden Truppe; in einem so wundervollen »Theater« wie dem Hof der Mildenburg darf man sich zu Sommerzeiten weiter wünschen. Auf Wiedersehen, theaterachse. im nächsten Jahr!
Bote vom Unter-Main, 23. Juli 1996



