Schauspiel nach dem Roman von Victor Hugo
In einer Zeit, in der Alchemie, Aberglaube und Hexenwahn das Denken bestimmten, in der Folter, Inquisition und der Tod am Galgen alltäglich waren, begegnen sich unterschiedlichste Menschen, versponnen in verhängnisvolle Beziehungen der romantischen, verzehrenden und mörderischen Art.
| KLASSIKER- UND SOMMERTHEATER 1998/9 |
Inszenierung Markus Steinwender
Ausstattung Claudia Merkel
Musik Birgit Marckhgott
Spiel Claudia Brunner, Gerhard Greiner, Rainer Plattner, Thomas Schächl, Mathias Schuh, Hildegard Starlinger
Premiere 17. Juli 1998 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen 15x im Juli/August 1998 in Österreich und Deutschland
Wiederaufnahme 4. August 1999 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen 2x im August 1998 in Österreich und Deutschland
Technik Erich Posch, Martin Arnsteiner
Produktionsleitung Sabine Reiter-Haydl
Stück Markus Steinwender und Mathias Schuh nach Victor Hugo
Grafik Markus Steinwender
Produktion die theaterachse
Mit Unterstützung von Henkell Sektkellerei, Salzburger Arbeiterkammer, Land Salzburg Kultur, Stadt Salzburg Magistrat, Salzburger Sparkasse
| PRESSEMEINUNG |
“Ein temporeiches Spiel in geschickt genutzter historischer Kulisse, ein Stoff voll Leidenschaft und Tragik, engagierte junge Schauspieler und eine Inszenierung, die es versteht, dem Drama auch komische Szenen abzuringen.”
Bote v. Untermain, 20. Juli 1998
Donaukurier, 13. August 1998
| PLAKAT |
Das Plakat zum Stück.
| STÜCK |
“Ich bin etwas Abscheuliches, weder Mann noch Tier, ein unglückliches Ungeheuer, das bin ich!”
Dom Claude Frollo, ein Mann der Kirche und der Wissenschaft, Alchemist auf der Suche nach dem Schlüssel zur Erschaffung des Goldes. Sein Findelkind, Quasimodo, mit Liebe aufgezogen. Einäugig, bucklig, taub, voller Haß gegen die Menschen, voller unterwürfiger Liebe zu Frollo. Gefürchtet wegen seiner Häßlichkeit und Kraft. Der Dichter Gringoire wurde Poet weil er, wie er selbst behauptet, zu nichts anderem taugt und schließt sich den Bettlern und Gauklern an. Ihn zeichnet die Liebe zum Überleben aus.
Phöbus, seines Zeichens Hauptmann der königlichen Bogenschützen, Lebemann und Frauenheld. Er “liebt” alles was schön ist und Röcke anhat. Die Königin von Frankreich, eine Monarchin, geldgierig, dekadent, menschenverachtend, liebt ihr Amt und ihren neuen Käfig für die Gefangenen. Die Königin der Bettler, liebt ihren Beruf, und ist eine strenge Richterin, nur sind die Gesetze der Bettler, bei aller Härte, etwas menschlicher. Zumindest werden sie so ausgelegt.
Und Esmeralda, Zigeunerin und Tänzerin, eine reine Seele in einer dunklen Zeit. Ihr Verhängnis liegt in der blinden romantischen Liebe, zu der Hugo schreibt:
“Die Liebe ist wie ein Baum, der treibt von selbst, senkt seine Wurzeln tief in unser ganzes Wesen und grünt oft auch über einem gebrochenen Herzen…..Und das ist das Unerklärlichste: je blinder solche Leidenschaft ist, um so unbesiegbarer ist sie. Und niemals ist sie fester, als wenn sie ohne Grund ist.”
Gringoire soll von den Bettlern gehängt werden, doch Esmeralda rettet ihm das Leben. Der Priester liebt das Mädchen und beim Versuch sie mit Hilfe seines Ziehsohnes Quasimodo zu entführen, rettet Hauptmann Phöbus Esmeralda. Der Glöckner wird verhaftet und an den Pranger gestellt. Esmeralda glaubt in Phöbus ihren “Märchenprinzen” zu sehen und verliebt sich unsterblich in ihn. Der Glöckner bekommt am Pranger von Esmeralda zu trinken, was ihr später für kurze Zeit das Leben retten soll. Phöbus verabredet sich mit Esmeralda. Bei diesem heimlichen Treffen wird klar welche Absichten Phöbus hat. Frollo, der dem Treffen versteckt beiwohnt, verhindert den Verlust ihrer Unschuld indem er Phöbus niedersticht. Frollo flieht und Esmeralda wird des Mordes an Phöbus für schuldig gesprochen und soll hingerichtet werden. Der Priester bietet ihr im Kerker die Rettung, doch der Preis dafür wäre ihre Liebe. Esmeralda lehnt ab, weil sie immer noch Phöbus liebt. Kurz vor ihrer Hinrichtung, befreit Quasimodo sie und verbirgt sie in Notre-Dame, unter dem Schutz des Kirchenasyls. Doch damit hat das Verhängnis erst begonnen…
Der Stücktext ist in unserem Online-Shop erhältlich.
| PRESSEKRITIK |
Sehnsucht der Narren
“theaterachse“ zu Gast auf Schloß Hexenagger
HEXENAGGER. Mit einem glücklichen, nichts verstehenden Kinderlächeln trollt er sich zwischen den unsichtbaren Gefährten. Er hat den Glocken Namen gegeben, und sie haben den Gespielen taub gemacht mit ihrem dröhnenden Lachen, ihrem ohrenbetäubenden Kichern. Ein schwerhöriger Gnom — zu Hause in einem Vakuum aus Musik. Ein Zufluchtsort auch für die junge Zigeunerin Esmeralda, die Quasimodo vom Galgen gerettet hat. Doch es ist nur ein kurzes Atemholen. Die Liebe wird sie in den Tod stoßen.
Schon im Vorjahr gab das Ensemble „theaterachse“ mit „Cyrano de Bergerac“ und „Don Quijote“ auf Schloß Hexenagger Kostproben seines Könnens. Diesmal hat es neben der Mär vom sehnsuchtsvollen Ritter ein neues Stück in den Tourneekoffer gepackt: den „Glöckner von Notre-Dame“, ein Schauspiel nach Victor Hugos Roman.
Eine geglückte Umsetzung des Stoffes: mutig gekürzt für eine Freiichtaufführung und mit der richtigen Mischung aus Klamauk und Ernsthaftigkeit, großen Gefühlen und buntem Allerlei aufgeführt. Ein interessantes Konzept: Das Publikum bleibt nicht an einem Ort, sondern folgt einzelnen Spielfiguren zur nächsten Szene. So wird das kleine Schloß Hexenagger zur begehbaren Kulisse und das Publikum selbst zur Spielligur. Ist neugieriges Volk, das das Mysterienspiel des Pierre Gringoire verlacht, im Narrenfest tobt und kreischt und den buckligen Troll Quasimodo zum Narrenpapst krönt. Stöbert im Laboratorium Frollos nach dem geheimen Rezept, mit dem man Licht in Gold verwandelt. Stöhnt, seufzt, flucht im Kerker. Schreit die Hexe zu Orif-Klängen an den Galgen. Aufruhr. Ein Lichtermeer, das in die Geheimnisse und Angste der Dunkelheit flackert. Nachts wachsen die Träume zu Gestalten, nachts wird die Sehnsucht so groß.
Die Sehnsucht des schmächtigen Dichters (Thomas Schächl macht aus Gringoire ein leicht trotteliges Abziehbild) nach seiner Muse. Die Sehnsucht der Esmeralda (Claudia Brunner ist graziöse reine Magd) nach ihrem Traumprinzen Phöbus, dem Gerhard Greiner ein dummdreistes Outfit verpaßt. Die Sehnsucht Dom Claude Frollos nach Esmeralda. Mathias Schuh füllt die Rolle des Archidiakons der Pariser Kathedrale nicht ganz. Zu vage gibt er sich im Hin- und Hergerissensein zwischen Pflicht und Gefühl, Wissensdurst und Sinnenrausch, Begehren und Ablehnung, Machtstreben und Bigotterie. Sein häßliches, bemitleidenswertes Faktotum, in dessen Rolle Rainer Plattner schlüpfte, ist ihm weit überlegen. Ein hübsches Bubenstück:
Plattner wimmert, jauchzt, sabbert Wortfetzen, ist Kind und Greis. Mysteriöses Isoliertsein im prachtvollen Gotikpalast. Einsamkeit, die ihm zum Verhängnis wird. Herrlich gibt sich auch die Halunkenschar im „cour des mirades“, angeführt von Hildegard Starlinger, die nicht nur als Königin der Diebe, sondern auch als Königin von Frankreich (Hugos Ludwig XI. machte eine Geschlechtsumwandlung durch) betört: vorlaut, grausam, mit einem gerüttelt Maß an Frechheit.
Ein kleiner Einwand: Bei der Kostümauswahl hatte sich Claudia Merkel in allzuvielen Zeiten und Büchern verloren. Anleihen aus Alice im Wunderland, Mittelalter, Cominedia dell‘arte und Comic-Strip ergeben in der Mischung eine zwar witzige, aber unschlüssige Gewandung.
Allein es war ein traumhaftes Spektakel — sofern man sich rechtzeitig mit Autan versorgt hatte.
Anja Witzke, Donaukurier, 13. August 1998



