Amphitryon

Lustspiel von Heinrich von Kleist

Amphitryon

„Das ist das witzig-anmutvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt.“
Thomas Mann

| KLASSIKER- UND SOMMERTHEATER 2001/02 |

Inszenierung Mathias Schuh
Ausstattung Rafaela Wenzel
Spiel Claudia Schächl (Charis); Anne Christin Rommel (Alkmene); Thomas Schächl (Amphitryon & Jupiter)
Mathias Schuh (Sosias); Markus Steinwender (Merkur)

Premiere 20. Juli 2001 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen 20x im Juli/August 2001 in Österreich und Deutschland
Wiederaufnahme 25. Juli 2002 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen WA 2x im Juli/August 2002 in Österreich und Deutschland

Technik Rudi Fedrizzi & Klaus Schwarz
New Location Management Constanze Sigl
Produktionsleitung Markus Steinwender
Sponsorenbetreuung Claudia Schächl
Öffentlichkeitsarbeit Anne C. Rommel
Grafik Markus Steinwender

Mit Unterstützung von Land Salzburg Kultur, Stadt Salzburg Kultur, Raiffeisen Club Salzburg, DARK DOG, CMC Computer Salzburg, COPA DATA, Salzburger Arbeiterkammer, Fleurop, Fürst Transporte, Fa.Bergmüller, Fa.Sperl, Fa.Abraham, Fa.Erdbau, Fa. Hangöbl

| PRESSEMEINUNG |

“Die theaterachse hat die Tragödie des arroganten Feldherrn grandios auf die Schippe genommen.”
Bote vom Unter-Main, Juli 2001

“…das Stück wunderbar in unsere Zeit hebt und das Publikum bis tief in die Nacht in heiterer Faszination gefesselt hält.”
Donaukurier, August 2001

| STÜCK |

Der siegreiche Feldherr Amphitryon schickt seinen Diener Sosias nach Hause, um seiner Gemahlin Alkmene seine baldige Ankunft zu melden. Sosias trifft jedoch vor dem Schloss seines Herren auf den Gott Merkur, der die Gestalt von Sosias angenommen hat. Das andere Ich von Sosias verwehrt ihm mit Prügeln den Einlass. Merkur bewacht das Liebeslager im Schloss, denn dort verbringt Jupiter, der höchste Gott des Olymp, in der Gestalt Amphitryons, gerade eine herrliche Liebesnacht mit Alkmene. Als nun Amphitryon am nächsten Morgen bei seiner Gemahlin erscheint, trifft er sie in höchster Verzückung an und damit beginnen die Verwirrungen und Täuschungen und Verstrickungen. Die Götter Merkur und Jupiter nehmen Menschengestalt an, um Alkmene, Amphitryon, Sosias und Charis zu täuschen, mit ihnen zu spielen. Sie stiften Unruhe und treiben die Menschen durch ihre Spiegelung in ein Labyrinth der Gedanken und Gefühle stürzen sie in existenzielle Krisen bis in das innerste Ich.

| MUSIK |

Mathias Schuh hat die Musik zu Amphitryon komponiert und produziert. Sie hören hier das Stück “Fühlst du mich”, gesungen von Thomas Schächl und Anne Christin Rommel.


Die CD zum Stück ist in unserem Online-Shop erhältlich.

| PREMIERENKRITIK |

Schubidu mit Morpheus und Aurora
Salzburger Ensemble theaterachse spielt “Amphitryon” - Überraschungsei mit köstlichem Effekt

Kreis Miltenberg. Das “witzig-anmutvollste, das geistreichste, das tiefste und schönste Theaterspielwerk der Welt” so hat Thomas Mann Heinrich von Kleists “Amphitryon” genannt. Mit diesem begeisterten Urteil hat er jedem Theaterregisseur eine schwere Bürde auferlegt. Denn wie beim profanen “Überraschungsei” gilt es nach Thomas Mann bei der Inszenierung des Lustspiels gleich drei Wünsche auf einmal zu erfüllen: Witz, Tiefgang und Ästhetik - bei dem göttlichen Stoff aus der griechischen Sagenwelt keine leichte Aufgabe, der sich die Salzburger theaterachse bei ihrer diesjährigen Burgentournee da angenommen hat. Was das Ensemble bei der Premiere auf der Mildenburg am Freitag enthüllte, war in jedem Fall reichhaltiger als eine gewöhnliche Triple-Kinderüberraschung.

Nicht mit drei, sondern immerhin mit fünf Schauspielern trat die theaterachse auf die Freilichtbühne der Mildenburg, um sich im Verwirrspiel um Amphitryon und Alkmene der großen, alles beherrschenden Identitätsfrage zu stellen. “Wer bin ich?” muss sich nämlich der siegreiche Feldherr Amphitryon (Thomas Schächl) ernsthaft fragen, als er bemerkt, dass sich Göttervater Jupiter (ebenfalls Schächl) ungeniert in eine Ehe mit Alkmene (Anne Christin Rommel) eingeschlichen hat und dazu seine Gestalt und sein Wesen kopiert. So tiefgründig-philosophisch die Grundthematik des Stücks auch sein mag, das Ensemble entschied sich von Anfang an dafür, der komischen Seite des Geschehens Vorrang zu gewähren. Wortspiel und -witz, Verhaspler, überzogene Posen, gnadenlos bloßgestelltes Pathos und köstlich-übersteigerte Dramaturgie bildeten den Grundstock der Vielzahl witziger Elemente, die das Publikum begeistert aufnahm.

Das Herz der Tragikomödie schlug aber in den mitreißend-übertriebenen musicalartigen Gesangseinlagen von Twist über Rap bis Rock und Flamenco. Ich bin ein “Mann von Herz” twistete Amphitryons treudoofer Diener Sosias (Mathias Schuh) unbeschwert, unterstützt vom Varieté - “Schubidu” - Refrain des ungleichen Background-Paares Morpheus und Aurora. Ganz nebenbei legte der tollpatschige Diener eine Reihe seiner gegensätzlichen Identitäten offen. Schuh verkörperte Sosias als lächerlichen Angshasen, symphatischen Weichling, unterwürfigen Lakai, idealen Sündenbock, bedingungslosen Verbündeten, Kindskopf, überdrüssigen Ehemann und vorwitzigen Gehilfen. Trotz dieser Vielzahl von Identitäten findet sich Sosias doch in keiner seiner Rollen so recht wieder, seit er dem rücksichtslosen Götterboten Merkur begegnet ist, der Jupiters Eskapaden unterstützt und dazu Sosias Gestalt angenommen hat.

“Wer bin ich?” fragt also auch Amphitryons Diener, doch während der Feldherr, der “Heroe”, sich bei seiner Identitätssuche in Rock-Star-Manier à la “Bon Amphitryovi” lautstark von den Massen feiern lässt und hier und da dem Fußvolk großzügig die Hand reicht, forscht der bescheidene Sosias nur kurz nach seinem Selbst-Bewusstsein. Hat er doch noch seine Visitenkarte, die ihm zweifelsfrei bestätigt, dass er, obwohl von Merkur “entsosiatisiert”, noch immer der leibhaftige Sosias ist.

Im Gegensatz zu seinem Herrn und Alkmene, die sich im Schmerz um verlorene Unschuld und Vertrauen hoffnungslos pathetische Auseinandersetzungen liefern, auf die das Publikum halb ergriffen, halb amüsiert reagierte, nimmt Amphitryons Diener die Dinge, wie sie kommen. Auch wenn ihn der Gedanke beunruhigt, Merkur habe seine Frau Charis ebenso in Verzücken versetzt, wie es Jupiter mit Alkmene getan hat. Ein flotter Rap mit Sabrina Setlur-Charis (Claudia Brunner), die sich unter Merkurs Einfluss von der gekränkt-aufmüpfigen in die hingebungsvolle Ehefrau wandelt, bringt die Dinge ins Lot.

Ganz so leicht löst sich der Wirrwarr um Amphitryon nicht auf, wozu auch der herrlich unverschämte Merkur (Markus Steinwender) seinen Teil beiträgt. Dem Feldherr kauft Merkur gehörig den Schneid ab (”Dies Abenteuer macht sogar meinen Witz zu Schanden”). Mit Blitz, Donner, Rauch und viel Getöse gibt sich Jupiter schließlich zu erkennen.

Die theaterachse hat die Tragödie des arroganten Feldherrn grandios auf die Schippe genommen und, unterstützt durch die komischen Figuren Sosias und Charis, vollends zum köstlich-komischen Spiel abgebogen. An Kleists Vorgaben klebt das Ensemble nicht fest, ändert schon mal zehn schal gewordene Ehejahre zeitgemäß in drei ab, erfindet die neue futuristische Gattung der “Amphitryonen” und hat die Lacher stets auf seiner Seite. Mit schmissigen Ideen wie den “Musical”-Einlagen und der geballten Ladung aufeinanderfolgender Gags ist den Akteuren die Loslösung vom Original gelungen.

Was das Ensemble beim Focus auf die witzige Seite der Tragikomödie aber weiterhin geopfert hat, ist der Konflikt der Identitäten, der im Kleistschen Stück über Jupiters Enthüllung hinaus bestehen bleibt. Amphitryon und Alkmene gehen als gebrochene Identitäten aus dem Verwirrspiel der Götter hervor. Die theaterachse hat diese Problematik im pompös-verulkten Schluss-Tamtam überspielt. Dem überaus köstlichen Effekt des Überraschungseis tat dies aber keinen Abbruch.

Sonja Maurer de Aguirre, © Bote vom Untermain, 24.07.01

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