Die Nibelungen!

Der Nibelungen Lied frei nach ebendiesem und einem gewissen Friedrich Hebbel

Die Nibelungen!

„Uns sind von alten Mären Wunder viel gesagt
von Helden, reich an Ehren, von Kühnheit unverzagt,
von Freude und Festlichkeiten, von Weinen und von Klagen,
von kühner Recken Streiten mögt ihr nun Wunder hören sagen.“

| KLASSIKER- UND SOMMERTHEATER 2000 |

Inszenierung Markus Steinwender
Stück Markus Steinwender
Liedtexte Mathias Schuh
Ausstattung Rafaela Wenzel
Musik Mathias Schuh
Spiel Andreas Baumgartner, Gerhard Greiner, Simone Neumayr, Anne Rommel, Thomas Schächl, Mathias Schuh

Premiere 13. Juli 2000 Mildenburg, Miltenberg, Deutschland
Vorstellungen 24x im Juli/August 2000 in Österreich und Deutschland

Technik Erich Posch, Thomas Schächl
Dramaturgie Ina Bachl
Produktionsleitung Markus Steinwender
Sponsorenbetreuung Gerhard Greiner
Grafik Markus Steinwender
Presse|ÖA Claudia Brunner
Produktion die theaterachse

Mit Unterstützung von Salzburger Arbeiterkammer, Land Salzburg Kultur, Stadt Salzburg Kultur, Raiffeisen Club Salzburg, Henkell & Söhnlein, CMC Computer Salzburg

| PRESSEMEINUNG |

“Die theaterachse hat die Schreckensgeschichte der Nibelungen in unsere Zeit geholt.”
Passauer Neue Presse, 8. August 2000

| STÜCK |

Es könnte eine Komödie der Ehre, Treue und Liebe werden. Doch durch einen Streit wird es eine Tragödie des Verrats, Neids und Hasses. Das Schicksal der unlösbar miteinander verbundenen Menschen nimmt seinen angekündigten Lauf.

Die Nibelungen sind die Grundlage für die Produktion 2000 der theaterachse. Ein Stoff wie geschaffen für die dramatische Aufführung auf Burgen und Schlössern unter freiem Himmel. Ein Stoff voll Kraft und Poesie der in starken Farben von Menschen erzählt, die sich in Liebe und Hass, Treue und Treulosigkeit, Arglosigkeit und Betrug, Recht und Unrecht verstricken.

| HANDLUNG |

Siegfried, ein Prinz vom unteren Rhein, hält am Burgunderhof König Gunthers um die Hand der Prinzessin Kriemhild an. König Gunther gewährt ihm diese nur, wenn Siegfried ihm wiederum bei der Werbung um die wehrhafte Brunhild beisteht. Siegfried gibt sich vor Brunhild als Gefolgsmann Gunthers aus und mit einer List besiegen sie diese, worauf Brunhild Gunther Gunther, König von Burgund (Mathias Schuh) als Ehemann akzeptiert. Siegfried und Kriemhild heiraten, Brunhild bleibt aber misstrauisch und unzufrieden. Bald streiten die beiden Frauen und während Brunhild über Kriemhild als Frau eines Vasallen lacht, deckt Kriemhild den Betrug um Brunhilds Unterwerfung auf. Daraufhin fordert Brunhild Rache, die ihr Hagen von Tronje, ein treuer Gefolgsmann der Burgunden, durch eine weitere List erfüllt, und Siegfried hinterrücks tötet. Nun schwört Kriemhild Rache und kann nach einer Verheiratung mit Etzel, dem König der Hunnen, die Burgunden an dessen Hof locken, wo sie alle den Tod finden.

| MUSIK |

Mathias Schuh hat die Musik zu “Die Nibelungen!” komponiert und produziert. Sie hören hier das Stück “Siegfried’s Tod”, gesungen von Simone Neumayr und Anne Christin Rommel.


Die CD zum Stück ist in unserem Online-Shop erhältlich.

| PREMIERENKRITIK |

Endkampf in Hunnenburg und Stalingrad
Salzburger theaterachse gastiert wieder in Miltenberg – »Die Nibelungen« zwischen Komödie und Zeitkritik

Miltenberg. Drachen und Zwerge, Helden und Könige, Minne und blutige Schlachten – das Nibelungenlied ist wahrhaft ein großer Stoff. Nichts für die Theaterbühne, allenfalls ein große Oper könne man aus »dem deutschen Heldenlied« machen, glaubte man lange. Dann nahm sich Friedrich Hebbel des Stoffs an. Fast zehn Jahre, von 1850 bis 1860, schrieb er an den 5458 Versen seiner Nibelungen-Trilogie. Später kam der Film: Fritz Lang mit seinem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler, Harald Reinl mit seinem Remake Anfang der 60er Jahre. Alles mächtige, getragene Inszenierungen mit großen Worten, gewaltigen Kulissen, vielen Schauspielern und Statisten. Von all dem völlig unbeeindruckt hat sich jetzt die Salzburger »theaterachse« an den Stoff gemacht; für ihre Sommerreise über die Burgen im Salzburger Land bis zur Mildenburg. Hier, nahe des Obenwalds, hat der Main im Nibelungen-Jahr schon machen Schwertträger angespült. Laienschauspieler und Mittelaber-Romantiker haben Siegfried, Hagen und Gunter schon mehrfach wieder auferstehen lassen.

Rasanter Bilderbogen

Dem getragenen Ernst und großen Pathos jener Aufführungen setzen Markus Steinwender und Mathias Schuh nun ihre Nibelungen-Fassung entgegen. Ein knapp zweistündiger, rasanter Galopp durch die Hebbelschen Dramen, gekürzt, gerafft und dort wieder begradigt, wo sich der Dichter allzu weit von der ursprünglichen Form des Nibelungenliedes entfernt hatte.
Nur sechs Akteure und spärliche Kulissen entfalten den bunten Bilderbogen der Schauplätze am Wormser Königshof, im dunklen Island, im grünen Odenwald und in der Hunnenburg. Aus zwei Latten und einer langen, weißen Stoffbahn entsteht ein Schiff, das gleiche Tuch wird Kulisse für die Königsgemächer in der doppelten Hochzeitsnacht am Wormser Hof.
Wo der Film Heerscharen von Bühnenbildnern und Kulissenbauern braucht, reichen der jungen österreichischen Schauspielertruppe karge Mittel (Ausstattung Rafaela Wenzel) und die Kraft der Imagination.
Trotz der Reduktion auf sieben Figuren (Gerhard Greiner ein einer Doppelrolle als Siegfried und Etzel) und der Rasanz der Bilderfolge haben Steinwender und Schuh das Kunststück geschafft, die bisweilen verworrene Handlung der Sage schlüssig zu erzählen. Und sie haben das Risiko nicht gescheut, den schweren Dramenstoff der Tragödie mit skurrilen und komischen Elementen und Musik anzureichern.
So präsentiert Dietrich von Bern (Andreas Baumgartner) gleich zu Beginn eine Rap-Version von »Uns wird in alten Mären Wunder viel gesagt…« und König Gunter (Mathias Schuh) schmettert auf Brautfahrt gen Island »Ich brech die Herzen der stolzesten Fraun«. Eine Gratwanderung zwischen Komik und Tragik mit Blick auf das Freilicht-Publikum, das Gags und pfiffige Regieeinfälle schätzt. Zur Posse abrutschen lässt Regisseur Markus Steinwender seine Inszenierung jedoch nicht, und beschränkt die komischen Elemente daher bewusst auf den ersten Teil.

Im zweiten Teil »Kriemhilds Rache« setzt der Regisseur dagegen auf die tragischen Elemente, lässt die Burgunder sehenden Auges in ihren Untergang reisen und bebildert das blutige Ende in einer stummen Schwertkampf – Choreografie als schier endlose Wiederholung von Hauen und Stechen in gleißendem Zerhacker-Licht.

Zynische Parallelen

Darüber legt Steinwender die historische Tonaufnahme Hermann Görings, vom 30. Januar 1943, der eine zynische Parallele zieht zwischen den Burgundern in Etzels brennender Halle und den erschöpften, ausgehungerten, letzten Resten der 6. Armee in Stalingrad. Hier spannt der Regisseur den Bogen vom 800 Jahre alten Urtext zu dessen Rezeptionsgeschichte. Zeigt, wie die fiktiven Heroen als nationale Vorbilder benutzt und missbraucht werden.
Unter den durchweg sicheren und engagierten Akteuren sticht in der aktuellen Aufführung der »theaterachse« Thomas Schächl als Hagen hervor. Wer in der hoch aufgeschossenen, dürren Gestalt zunächst eine Fehlbesetzung vermutet, muss sich von der Bühnenpräsenz Schächls schnell eines Besseren belehren lassen. Sein Hagen mordet gelassen aus Notwendigkeit, trotzt den stolzen Königinnen Kriemhild (Anne Rommel) und Brunhild (Simone Neumayr) und geht unbeirrt in den Tod.

Georg Kümmel, Bote vom Untermain, 17. Juli 2000

| DIE NIBELUNGEN: WERK UND INTERPRETATION |

„Dieses Werk ist nicht da, ein für allemal beurteilt zu werden, sondern an das Urteil eines jeden Anspruch zu machen, ans Gefühl fürs Erhabene, Übergroße, sodann auch das Zarte, Feine, für ein weitumfassendes Ganze und für ein ausgeführtes Einzelne. Aus welchen Forderungen man wohl sieht, dass sich noch Jahrhunderte damit zu beschäftigen haben.“
Johann Wolfgang von Goethe

Das Nibelungenlied wurde um 1200 von einem unbekannten Dichter niedergeschrieben und hat als Geschichte hat eine lange historische Herkunft. Während die Handlung des 2. Teils die Geschichte des Burgundenstamms zur Zeit der Völkerwanderung reflektiert, bleibt der Siegfriedstoff historisch vage und trägt mythologisch und märchenhafte Züge. Wann, warum und wie die beiden Sagenstränge zuerst verbunden wurden, bleibt dunkel. Auch ein Urtext ist nicht oder kaum rekonstruierbar, die 3 ältesten Handschriften (A, B, C) bieten 3 verschieden akzentuierte Fassungen; diese lebendige Textgestalt ist genauso gattungstypisch für die Heldenepen wie die Anonymität des Dichters bzw. Sängers. Die frühe und breite Wirkung des Nibelungenlieds, die mit der eng an die Fassung C gebundenen “Klage” (eine Art Resümee des Geschehens) einsetzte, ist auch dadurch bedingt, dass der Heldenstoff in einer zeitgemäßen höfischen Form erscheint. Der Heroismus des Nibelungenlieds ist als gattungsspezifisches Element aufzufassen und sperrt sich somit gegen eine nationalistische Vereinnahmung.

Friedrich Hebbel hat sich eine Lebensaufgabe in der Dramatisierung des Stoffes gesetzt und dafür sechs Jahre gebraucht. Ihm ist dabei als erstem eine halbwegs umfassende und künstlerisch wertvolle Bearbeitung des Nibelungenlieds für die Bühne gelungen. Dabei hat er sich jedochKriemhild (Anne Christin Rommel) und Brunhild (Simone Neumayr) fast zuviel auf sein eigenes Talent beim Dichten verlassen und von 5458 Versen seiner Trilogie gehen nur rund 1213 auf Stellen im alten Epos zurück. Dabei hätte Hebbel am Epos nicht zu knausern brauchen, denn es enthält weitaus mehr Verse, nämlich 9516. Hebbel wollte tiefe psychologische Eingeweide schaffen und hat dabei auch die Motive der Figuren verändert, ja sogar die Handlung.

Markus Steinwender und Mathias Schuh haben versucht erstens eine kurze, rasante Variante der Hebbelschen Dramen zu schaffen und es zweitens wieder mehr mit der ursprünglichen Form des Liedes zu verknüpfen. Dazu gehören zum Beispiel die Elemente der Prophezeiungen, in denen schon früh der weitere Verlauf der Handlung verraten wird. Hebbels Version wurde mit dem Lied verglichen und die Stellen, die er gegenüber diesem allzu weit verbog wieder begradigt. Herausgekommen ist eine 2-stündige bilderstarke und musikalische (Nibelungen-)Reise, voll Tragik und Dramatik aber auch Komik und Skurrilität.

FRIEDRICH HEBBEL (1813-1863)

Wird als Sohn des Maurers Claus Friedrich Hebbel und dessen Frau Antje Margaretha am 18.03.1813 als Christian Friedrich Hebbel in Wesselburen geboren. Da der Vater durch wirtschaftliche Depression Tagelöhner geworden ist und stirbt als Friedrich 14 Jahre alt ist, beginnt er eine Boten- und Schreibertätigkeit beim tyrannischen Kirchspielvogt Mohr. Er gründet einen literarischen Zirkel und hat erste Veröffentlichungen in Provinzblättern. 1853 geht er auf Einladung von Amalie Schoppe nach Hamburg und macht dort dir Bekanntschaft mit der Näherin Elise Lensing, mit der ihn eine langjährige Liebschaft verbindet. Schließlich geht er nach Heidelberg und München (1836-39) um dort Vorlesungen in Jura, Geschichte, Literatur und Philosophie zu nehmen. Doch da er seine Gedichte nicht veröffentlichen kann, entwickelt sich sein Aufenthalt in München zu einer entbehrungsreichen Zeit. Nach dem Tod der Mutter seiner Mutter kehrt er krank nach Hamburg zurück, wo er von Elise Lensing gepflegt wird und diese von ihm einen Sohn Max bekommt. 1840 erntet Hebbel Ruhm durch Aufführungen seiner „Judith“ in Berlin und Hamburg. Er bekommt ein Reisestipendium des dänischen Königs und beendet 1843 in Paris das bürgerliches Trauerspiel „Maria Magdalena“. Hagen (Thomas Schächl) Nach dem Tod seines Sohnes Max und der Geburt des zweiten Sohnes Ernst unternimmt er eine Reise nach Italien. Es kommt zum Bruch mit Elise. 1845 trifft er die Burgschauspielerin Christine Enghaus die er 1846 heiratet. In Wien beginnt sich Hebbels Schicksal zu wenden und er bekommt Förderung und Unterstützung durch Grafen Zerboni und finanzielle Unabhängigkeit. 1846 gebiert ihm Christine den Sohn Emil, der jedoch drei Monate später verstirbt. Ebenso stirbt Ernst, worauf Elise ihn in Wien über ein Jahr lang besucht. Es folgt eine neue große Phase des Schaffens mit „Michel Angelo“, „Agnes Bernauer“, „Gyges und sein Ring“ und dem Hauptwerk, der Nibelungen-Triologie (1850-60): „Der gehörnte Siegfried“, „Siegfrieds Tod“, „Kriemhilds Rache“, für die er an seinem 50 Geburtstag 1863, neun Monate vor seinem Tod, den Schillerpreis erhält.

Die Nibelungen!
Die Nibelungen!