
Eine Komödie mit Biss von Mathias Schuh nach H.C.Artmann. Uraufführung.
| KLASSIKER- UND SOMMERTHEATER 2009 |
Regie und Stück Mathias Schuh
Ausstattung Rafaela Wenzel
Spiel Thomas Beck, Konrad Haller, Alice Mortsch, Claudia Schächl, Christine Winter
Produktion die theaterachse
Premiere 2. Juli 2009
Weitere Aufführungen siehe Termine
“drakula, du schlimmer,
komm nicht auf mein zimmer,
tu mama nicht schrecken,
nicht uns kinder necken,
bleib’ bloß schön zu haus’,
bei der flebebermaus.”
H.C.Artmann
Über das Stück
Die schaurig-schöne Geschichte um den Blut saugenden Untoten fasziniert seit Hunderten von Jahren. Dracula war und ist aus den Köpfen Kunstschaffender aller Gattungen nicht wegzudenken und beflügelt seit je her alle Sinne.
Eine fast unscheinbare aber umso bemerkenswertere Bearbeitung bieten der Kurz-Roman und das Hörspiel von H.C. Artmann. Seine Sprachführung und humorvolle, sich selbst nicht Grabernst nehmende Herangehensweise, sind die Vorlage für die Bühnenfassung. Mit unverwechselbarem Geschick verstand es H.C. Artmann die Geschichte in wenige Seiten zu komprimieren, ohne jedoch die Farbenpracht der Wortgemälde einzubüßen und: Der Stoff birgt ein hohes Maß an Sinnlichkeit. Das auch auf der Bühne umzusetzen ist oberstes Ziel dieses Theaterabends.
Das Bühnenstück wird von Mathias Schuh geschrieben und umgesetzt. Gewählt wird eine freie Form, die von den Seiten des klassischen Sprechtheaters, der Comedy, des Musiktheaters und des Mysterienspieles an den Stoff herangeht. Als zusätzliche Spielebene werden die Rollen des öfter getauscht, das heißt jeder ist Dracula und das Ziel seiner Begierde. Wann ist man/frau er/sie selbst und wer vom Publikum wurde auch bereits infiziert? Nimmt diese Geschichte ein gutes Ende, oder endet sie nie?
“auf dem berge ararat
wohnt der schneider drakulat,
seine frau die nosfretete,
saß an särgelein und nähte,
fiel herab, fiel herab
und der linke zahn brach ab.
kam ihr männchen angerannt,
mit der nadel in der hand,
näht ihn an, näht ihn an,
daß sie wieder beißen kann.”
H.C.Artmann
Pressefotos
Die Pressefotos zur Produktion finden Sie hier.
Inhalt
Johann Adderly Bancroft, Assistent an der Universität für Transylvanologie in London und seine Verlobte und Tochter reicher Eltern, Edwarda Cornvallis reisen zu Studienzwecken nach Mandrak einem kleinen unwirklichen Ort in den Karpaten. Im Zug machen sie bereits Bekanntschaft mit der Nichte des Grafen Dracula, Cammila Tepes. Diese läd sie ein auf dem Schloss ihres Onkels zu nächtigen. Nach einer abenteuerlichen Kutschfahrt erreichen sie nach Einbruch der Dunkelheit das Schloss. Der Graf, eine überaus gewinnende Erscheinung, empfängt sie freundlich und empfiehlt Addely und Edwarda eine bäuerliche Hochzeit zu besuchen um die Gepflogenheiten und Sitten des transylvanischen Volkes kennen zu lernen . Doch vor der Hochzeitsnacht ist die Braut plötzlich verschwunden. All zu schnell wird klar wer sie gestohlen hat. Doch auch Addely und vor allem Edwarda schweben in höchster Gefahr, denn der Graf und auch Camilla haben bereits begehrliche Blicke auf sie geworfen…..
Über H.C.Artmann
“Meine heimat ist Österreich, mein vaterland Europa, mein wohnort Malmö, meine hautfarbe weiß, meine augen blau, mein mut verschieden, meine Laune launisch, im handumdrehen zufrieden, im handumdrehen verdrossen, ein freund der fröhlichkeit, im grunde traurig … im kriege zerschossen, im frieden zerhaut, ein hasser der polizei, ein verächter der obrigkeit, ein brechmittel der linken, ein juckpulver den rechten …”
Hans Carl Artmann wird am 12. Juni 1921 in Wien als Sohn eines Schuhmachermeisters geboren; er selbst behauptet, sein Geburtsort sei St. Achatz am Walde, ein Waldgeviert im Waldviertel. Der Dichter wächst im Wiener Vorort Breitensee in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf und verbringt dort Kindheit und Jugend. Von seinen Eltern, die aus Retz im Waldviertel stammen, habe er seinen typisch niederösterreichischen Akzent, aber auch seine Liebe zum rustikalen Landschaftstypus.
Bereits im Alter von 15 Jahren beginnt der spätere Dichter, unter dem Pseudonym John Hamilton Detektivgeschichten zu schreiben. Artmann selbst identifiziert sich mit Don Quijote, er sieht ein Idol in dem spanischen Ritter, gewissermaßen eine Leitfigur für sein Leben. “Don Quijote ist viel wichtiger, meine Werke sind ganz unwichtig.” Zur Wichtigkeit bzw. Unwichtigkeit und zur Macht der Literatur sagt Artmann: “Ich glaube, die Literatur kann die Gesellschaft und das Geschehen nicht verändern. Wäre das möglich, so könnte ich ja Kriege verhindern. … In unseren Breiten ist das sicher nicht möglich. Wenn, dann eher in lateinamerikanischen Ländern, wo Literatur einen anderen Stellenwert hat und wo sie wirklich für Aufruhr sorgen kann.”
Hier eine kurze Charakteristik Artmanns durch seinen Künstlerkollegen, den Literaten Andreas Okopenko: “Ich nehme an, daß Artmann sich selbst bei näherem Hinsehen nicht als Romantiker bezeichnen würde. Er würde sich schon als Surrealisten bezeichnen, seiner Grundeinstellung nach. Er ist keiner von den intellektuellen Autoren – ich will ihm jetzt nicht Intelligenz abstreiten -, sondern er ist ein sehr intuitiver Mensch, ein Praktiker der Poesie, er ist kein philosophischer Geist – er ist zwar gebildet, aber sein Bildungsgut ist nicht geordnet, sondern ein wunderschönes Chaos.”
“Fachmännisch gesprochen, ist Artmann derjenige, der unter den Dichtern deutscher Sprache am besten Bescheid weiß über die Möglichkeiten, die in der Sprache, im Wort selber liegen – eben jene Kräfte, die uns, wie Wittgenstein sagt, beim Gebrauch der Sprache ‘behexen’.” (Peter Rosei)
